ARCHIV 2011



51. AMBERGER-SEMINAR DES BLLV AM 19./20. NOVEMBER 2011 

 

     

Rund 1000 Lehrer fanden sich am 18. und 19.11.2011 unter dem Motto "Gemeinsam lernen – individuell fördern" in Kummersbrück bei Amberg ein. Zum ersten Mal war neben zahlreichen Schulbuchverlagen auch die Bayerische Architektenkammer mit tano auf dem Amberger Seminar vertreten.  Die Beirätin Silke bausenwein informierte die interessierte Lehrkräfte über die durch die Bayerische Architektenkammer geförderten Architekturprojekte in Schulen, den Treffpunkt Schule von tano sowie das Angebot der Klimadetektive. Ebenso wurde auf die Fortbildungsveranstaltungen der Landesarbeitsgemeinschaft "Architektur und Schule" hingewiesen.

download: Presseartikel Amberger Zeitung vom 21.11.2011

 

KONGRESS AM 23./24. Juni 2011 IN DER BAUHAUS-STADT DESSAU

        

links: Bärbel Cronau-Kretschmar (2. von links) und Prof. Hannes Hübner (rechts) – Mitte: Renate Stuefer und Antje Lehn, Wien – rechts: Anke Romanow, Regensburg (rechts) in der Forumsrunde im Technikmuseum Hugo Junkers

Unter dem Titel "Selbstverständlich! Kulturelle Bildung in der Schule" diskutierten in Dessau bereits zum fünften Mal Experten mit Kongressteilnehmern aktuelle kulturpolitische Themen an der Schnittstelle von Kultur und Bildung. Rund 500 Teilnehmer erlebten spannende Tage, voller Anregungen, Austausch und Kultur an Dessaus berühmten Orten wie dem Anhaltischen Theater, dem Bauhaus, der Orangerie Schloß Oranienbaum und dem Gartenreich Dessau-Wörlitz.

Die Bildungsinitiative Kinder zum Olymp! der Kulturstiftung der Länder legt seit dem Jahr 2003 einen besonderen Fokus auf die Kooperation zwischen Kultur und Schule. Aber noch immer ist die kulturelle Bildung in der Schule heute nicht selbstverständlich. Aus diesem Grund rückte die Tagung in der Bauhausstadt Dessau die Schule in den Mittelpunkt.

Dass dies auch ein Thema der Architektur und der Einbindung von Schülern wie Pädagogen in baukulturelle Gestaltungsprozesse ist, wurde bereits im Eröffnungsvortrag der Ministerin für Schule und Weiterbildung NRW, Silvia Löhrmann deutlich. Unter dem Titel „Wie sind Schulen? Und wie müssen Schulen sein?“ machte die Referentin deutlich, dass Kultur in allen Bereichen des Lebens und der Schule Bestandteil ist. Auch die therapeutische Rolle ist dabei nicht zu unterschätzen. Kindern werden so Chancen geboten, sich selbst und andere als Subjekte zu erfahren und als solche wahrgenommen zu werden. Sie agieren in kulturellen Projekten selbständig und kreativ, statt als Objekte „beschult“ zu werden.

Die anschließende Podiumsdiskussion zeigte, dass die emotionale Kompetenzbildung an Schulen flächendeckend noch immer eine untergeordnete Rolle spielt. Der Kunst und Kultur kommt dabei künftig noch stärker die Möglichkeit zu, diese Lücke sinnvoll zu schließen. Dies kann durch die Einbindung in alle Schulbereiche und Fächer geschehen, wie beispielsweise in die Gestaltung des Unterrichts wie in die Kultur des Umgangs miteinander.

Die Architektin Prof. Susanne Hofmann von den Berliner „Baupiloten“ machte deutlich, dass bei Sanierungs- und Neubauprojekten Laien oft unschlüssig sind, was mit den neuen Räumen passieren soll. Die oft hohen Ansprüche an Raumbedarf stehen einer gewissen Hilflosigkeit in der Nutzung gegenüber. Im Zuge von schulischen Bauaufgaben greift die Arbeit der Baupiloten in der Auseinandersetzung mit Schülern und Lehrenden diese Situation auf und bezieht die Anliegen der Nutzer als eine maßgebliche Komponente in die Planung mit ein. Im Ergebnis werden diese zu Experten für ihre eigenen Bedürfnisse, die anschließend ihre neuen Räume kreativ und aktiv in Besitz nehmen. Die Diskussion um Quadratmeterzahlen rückt so in den Hintergrund.

Wie dieser Ansatz sind auch in anderen Kultur-Bereichen in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Ideen und Projekten entstanden, kulturelle Bildung in den Schulen zu etablieren. Aufgabe der Akteure und Institutionen muss nun sein, diese Ansätze zu verstetigen und die nötigen Grundlagen zu schaffen für eine dauerhafte Zusammenarbeit zwischen Bildungsträgern und Kunst- und Kulturschaffenden.

Ein Erfolgsfaktor für gute Projekte kann sein, diese nicht allein auf Personen zu fixieren. Stattdessen sollten dauerhafte Strukturen aufgebaut werden, wobei der Architektur wiederum eine Schlüsselrolle zukommen kann. Ergänzend dazu ist empfehlenswert, lokal, regional und auf Länderebene kulturelle Institutionen zu schaffen, die die nötige Stabilität und Nachhaltigkeit von Projekten bieten.

Weitere Möglichkeiten bestehen in der Schaffung eines gemeinsamen Kulturfahrplans als Grundlage für die gemeinsame Kinder- und Jugendarbeit der Kommunen, Schulen und Kultureinrichtungen. Akteuren kommt hier die Aufgabe zu, konkrete Leistungsangebote zu formulieren und inhaltlich als auch personell möglichst langfristig aufzustellen.

Nicht zuletzt bedarf es geeigneter räumlicher Möglichkeiten, um kulturelle Projekte durchführen zu können. Schulen sind hier oftmals Grenzen gesetzt, weshalb Kommunen deren Arbeit künftig mit Labor- und Werkstattgebäuden die kulturelle Kinder- und Jugendarbeit unterstützen könnten.

Eines der Hauptpunkte des Kongresses stellten in guter Tradition bei den Kinder zum Olymp! -Tagungen die Diskussionsforen dar. "Wie kommen Kunst und Kultur in die Schule? Und wie bleiben sie dort?" - In acht parallelen Gesprächsrunden wurde diesen Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven nachgegangen. Baukultur und Architekturvermittlung waren hier u.a. ebenso wie die Schulkunst Themen, in denen die Kongressteilnehmer ihre Erfahrungen austauschten.

Einen erfolgreichen, wenn auch steinigen Weg der Bürgerarbeit in der Erhaltung und Vermittlung von Baukultur zeigte sehr anschaulich die Naumburger Architektin Bärbel Cronau-Kretzschmar auf. Sie erlebt die Architekturvermittlung für Schüler vor allem auch öffnend für die Frage: Wie wollen wir wohnen? und begreift die Baukultur als einen wichtigen Bestandteil der Gesellschaftswissenschaften.

Spielerisch setzten sich die Wiener Architektinnen Antje Lehn und Renate Stuefer mit der Annäherung an Schulische Räume auseinander. Sie präsentierten ein Ausstellungsprojekt mit dem Titel „Fliegende Klassenzimmer – Wir machen Schule“, das im März diesen Jahres am Architekturzentrum Wien veranstaltet wurde. Zielstellung war, durch räumliches Wahrnehmen und soziales Handeln kreative Prozesse anzuregen, um Schule neu denken zu lernen - Fazit: Lernräume sind Orte zum Wachsen. Einen ähnlichen Ansatz verfolgte Susanne Hofmann, die ihre Arbeit mit den Baupiloten diskutierte, und anregte, Schulen gemeinsam mit Kindern zu erträumen und baulich umzusetzen.

Zum Abschluss des Kongresses setzte Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz, Erziehungswissenschaftler und Präsident der Humboldt-Universität Berlin mit dem Thema „Denkkultur, Wissenskultur, Lernkultur, Schulkultur“ maßgebliche Akzente zu Perspektiven in der schulischen Bildung. Er plädierte dafür, dass in den Schulen der Weg vom derzeitigen Vollständigkeitsanspruch hin zu mehr Kontemplation, Ruhe und Nachhaltigkeit führen muss, um Kindern und Jugendlichen jenseits der Jagd nach Leistungspunkten und „Bulimie-Studium“ das nötige Rüstzeug auf den Weg zu geben. Der Wissensmangel wird in unserer heutigen Gesellschaft, in der Kenntnisse schnell verfügbar sind und in kurzer Zeit durch andere ersetzt werden müssen, kaum beherrschbar sein. Vielmehr spielt die Güte des Wissens eine Rolle, um die schulische Wissensvermittlung erfolgreich reformieren zu können.

Das Resümee der Veranstalter des zweitägigen Kongresses Kinder zum Olymp! 2011, die Kulturstiftung der Länder und die Kulturstiftung des Bundes in Dessau-Roßlau mit dem Kooperationspartnern PwC-Stiftung (PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft) und Bundeszentrale für politische Bildung zur kulturellen Bildung in der Schule wird deutlich im Titel des Abschlusspodiums „Gekommen um zu bleiben“. Pädagogik und Kunst stehen in einem wechselseitigen Vermittlungsprozess, der ein faires Miteinander und einen transparenten Austausch erfordert. Dafür bedarf es künftig auch weiterhin einer guten Verständigung aller Beteiligten, die die Kultusministerkonferenz der Länder tatkräftig unterstützt. Unter anderem plant sie für 2012 einen Bericht zur kreativen Bildung in den Bundesländern, der bundesweit Aktionen und Projekte benennt und so die Vernetzung der Akteure in den einzelnen Regionen ermöglicht. Ein Bildungsgipfel zum Thema auf Bundesebene ist im Gespräch.

Text: Anke Romanow – Fotos: Silke Bausenwein

 

 
 
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